Knurren bei jungen/unsicheren Hunden

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Knurren bei jungen/unsicheren Hunden

Beitragvon Simi am Mi 26. Jan 2011, 17:43

Hallo zusammen

Ich möchte gleich mal mit einem Probelem starten.
Beli ist grundsätzlich gut verträglich mit anderen Hunden. Vorallem grosse, dominantere Männchen liebt sie, sie flippt total aus vor Freude. Denen unterwirft sie sich auch manchmal.
Aber bei jungen und unsicheren Hunden wendet sich das Blatt. Sie stellt die Haare auf und drückt ihre Schnautze auf den Rücken des anderen. Und wenn der sich das nicht gefallen lässt oder Angst zeigt, fängt Beli sehr böse an zu knurren.
Sie hat noch nie gebissen oder so. Aber sie möchte, dass der Hund sich unterwirft. Manchmall knurrt sie sogar weiter, wenn der andere schon auf dem Rücken liegt.
Manchmal ignoriert sie so einen Hund auch und wenn der ihr folgt und sie nervt, reagiert sie wieder so.

Kennt ihr das? Und warum macht sie das bei schwächeren Hunden?

Ich unterbinde es natürlich wenn möglich sofort und nehme sie an die Leine. Das macht sie nur wenn sie frei ist. Ich versuche dann immer von weitem den anderen Hund abzuschätzen um zu sehen, ob ich sie an die Leine nehmen soll, oder ob das Zusammentreffen unkompliziert wird.

Liebe Grüsse
Simi
 
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Re: Knurren bei jungen/unsicheren Hunden

Beitragvon Nubia am Mi 26. Jan 2011, 18:52

Hallo Simi

Willkommen im "Zicken-Club"! Deine Beli ist selbst ein unsicherer Hund resp. ein relativ unsicherer Hund, weshalb sie genau diejenige anderen Hunde heraus spürt, die noch ein bisschen unsicherer sind als sie selbst! Da kann man dann mal den "grossen Macker" raushängen und auf "Möchte-gern-dominant" machen.

Ich kenne dieses Verhalten sehr genau von Nubia, mit dem Unterschied, dass sie nicht knurrt oder die Schnauze dem anderen Hund auf den Rücken legt, sondern sie pöbelt oder keift die anderen Hunde mit einem blöden Gebell an! Ist aber wohl gehupft wie gesprungen, wie sich die Damen verhalten, es ist unschön. Ich selber toleriere solches Verhalten gar nicht, d.h. Nubia bekommt keine Gelegenheit, dies an anderen Hunden einfach so auszulassen. Nur wenn ich die anderen Hundehalter kenne resp. ich sie vorgängig über Nubia informiert habe und wir beide einwilligen, dass die Hunde "spielen" dürfen, lasse ich Nubia mit fremden Hunden frei laufen. Meistens ist es ok, da ihr Gekeife total ignoriert wird (d.h. der andere Hund durchschaut meine "grosse Röhre" und reagiert gar nicht erst) oder sie kriegt mal ein kurzes Gekeife zurück, so nach dem Motto: ok, renk dich wieder ein und schone meine Ohren mit deinem Lärm! Und schon weiss mein Mädel wieder, was Anstand ist!

Was ich nicht mache, mich auf Abschätzen von weiten einlassen, da kann man sich nämlich gewaltig täuschen. In der heutigen Zeit, wos sehr schnell ausarten kann, ist mir dies zu gefährlich. Lieber einmal mehr an der Leine und keinen Kontakt zum anderen Hund, als dann eine Anzeige im Haus! Auch Nubia hat übrigens noch nie jemanden verletzt.

Woher kommt dieses Verhalten? Gerade letzte Woche habe ich mit einer sehr erfahrenen Hundetrainerin darüber gesprochen. Es gibt verschiedene Gründe oder Annahmen:

- zu früh von der Mutter weg
Mutterhündinnen beginnen in der 8./9. Woche damit, ihre Welpen zu erziehen, also z.B. lassen sie sie rumwuseln und wenn es ihnen zu weit geht, werden die Kleinen zurecht gewiesen, das kann nur ein Wegstossen sein, eine verbale Warnung, der Schnauzgriff bis hin zum auf den Rücken legen. Die Kleinen lernen richtiges Verhalten von der Mutter und unter einander probieren sie es dann auch aus.

- zu früh kastriert/sterilisiert
Wenn die Hündinnen vor der ersten Läufigkeit bereits sterilisiert werden, können Körper und Geist nicht erwachsen werden. Die Hündin bleibt irgendwie immer ein Baby und verhält sich auch dementsprechend. Die Welt der erwachsenen Hunde bleibt ihnen ein Rätsel, sie bleiben unterentwickelt.

- schlechte Erfahrungen mit anderen Hunden, kann eine Rasse oder ein gewisser Typ sein, vor allem in der Welpen- oder Junghundephase. Dies kann sich ziemlich prägend auswirken auf spätere Begegnungen mit Hunden, die an das schlechte Erlebnis erinnern

- Charakter :-)
Logischerweise kann man nicht alles auf fehlende Kinderstube und Frühkastration schieben! Es gibt halt auch schnell aufbrausende Hunde, Hunde die dickköpfig sind, Hunde die schwer von Begriff sind, Zickenkrieg etc. etc. etc.

Ach ja: Nubia kam mit 9 Wochen zu mir und ich liess sie mit 7 Monaten sterilisieren - da haben wir doch die Schuldigen :-)
Mit ca. 5 Monaten wurde sie von einem Jack Rüsselterrorist gebissen und mit 6 Monaten von zwei Whippets zu Tode erschreckt - es erübrigt sich zu sagen, dass wir allen Jackies und Whippets noch heute weiträumig ausweichen, Nubia kann sich kaum einrenken und sieht bei diesen Gattungen noch immer ROT!

LG
Rita
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Re: Knurren bei jungen/unsicheren Hunden

Beitragvon Numa am Mi 26. Jan 2011, 19:38

Rita... tolle Ausführungen!

Das mit dem selber unsicher sein... dem schliesse ich mich an.

Bei Numa weiss ich nicht, wie lange sie bei ihrer Mutter war. Sie wurde mit 4 Monaten halbtot am Strassenrand
gefunden? Kastriert habe ich sie nach der ersten Läufigkeit... Schlechte Erfahrungen hat sie, soviel ich weiss,
nicht gemacht.

Mit ihr habe ich fleissig für das Hundehalter-Brevet geübt. Da wurden Begegnungen bis zum Abwinken geübt.
Es gab nie Probleme. Erst, nachdem wir das Brevet mit Erfolg bestanden hatten, fing es an. Sie pöbelt also
mega gegen entgegenkommende Hunde. Meistens legt sich das, wenn sie zum Hund hin darf. Aber das erlauben
nicht alle Hundehalter.... Jetzt, wo sie Pito noch im Rücken hat, wird es fast noch schlimmer... Mit zwei
oder mehreren Hunden ist es auch für mich als Hundehalter nicht mehr so einfach, die Meute im Griff zu
halten. So gut es geht weiche ich Hunden, die mit entgegenkommen weiträumig aus.
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Re: Knurren bei jungen/unsicheren Hunden

Beitragvon Nubia am Do 27. Jan 2011, 09:11

Ja, das ist so eine eigene Sache mit dem Hundeplatz und dem Rudelverhalten!

Ich besuche ja extra eine Plauschgruppe, damit Nubia Hundebegegnungen kontrolliert "üben" kann. Dort sind immer wieder andere und neue Hunde anzutreffen, vom kleinsten Pinschermädel bis zum Riesenhowi. Nach einer Stunde intensiv arbeiten dürfen die Hunde auf dem riesigen eingezäunten Gelände frei rennen. Interessant ist, dass Nubia dort kaum pöbelt. Warum? Weil ich mich dort sehr sicher und gut aufgehoben fühle. Die Hundetrainerin ist ein "natürliches Alphatier" und vertritt die Meinung, die Hunde regeln ihre Sachen selbst. Was in der Regel stimmt, auch wenns zwischendurch mal zünftig "fetzt". Aber auch die anderen Hundehalter sind entspannt, so entstehen kaum Situationen, in denen wir Menschen eingreifen müssen. AUSSER Nubias Schwester ist auch dabei! Dann muss ich meine Zicke sehr gut im Auge behalten und musste sie auch schon aus dem Hundepulk heraus holen und anleinen. Die beiden bilden ein Rudel und gemeinsam sind sie stark! Nach dem Motto: "Auf sie mit Gebrüll!" Und logischerweise picken sie die Schwächeren heraus.

Egal, wo ich Kurs, Agility, Wettkampf etc. habe, Nubia benimmt sich immer 1A gegenüber anderen Hunden, weil wir dort ARBEITEN. Spaziergänge hingegen, sind etwas ganz anderes...

LG
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Re: Knurren bei jungen/unsicheren Hunden

Beitragvon Simi am Do 27. Jan 2011, 11:04

Vielen Dank für eure Antworten!

Ich habe auch schon gehört, dass Beli wahrscheinlich selbst unsicher ist. Ich weiss leider nichts über ihre ersten beiden Lebensjahre. Sie wurde mit 2 Jahren aus einem Hundegefängnis geholt.

Auf dem Agility-Platz benimmt sie sich auch sehr gut.
Da werden sogar Nachbars Hund und ein Whippet in Ruhe gelassen, welche sie ansonsten anknurrt.

Also, dann lass ich mal meine Einschätzerei auf lange Sicht. Das ist wirklich besser.
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