Podenco aus Tötungsstation

Fragen und Informationen zur Podenco Erziehung

Podenco aus Tötungsstation

Beitragvon Timber am Sa 11. Feb 2012, 23:39

Hallo :-)

Ich habe einen Rauhhaar-Podenco aus einer Tötungsstation in Spanien adoptiert.
Eine Beschreibung zu Timber und der Situation: Vorgeschichte unbekannt! Er ist ca. 3 Jahre alt, kastriert seit ca. 2 Monaten. Er hatte seinen Tötungstermin Ende November, nach mehrmaligem Nachfragen von mir hat sich niemand für ihn interessiert und ich habe ihn 1 Tag vor seinem Tötungstermin adoptiert. Die Zeit bis er endlich bei mir in Deutschland ankam, war mit vielen Hindernissen verbunden, in dieser Zeit war er ca. 6 Wochen auf einer Pflegestelle in Spanien. Er hätte mit einer Flugpatin ausreisen können, aber die Lufthansa hat die zu große Box abgelehnt (4cm zu hoch), das hieß die spanische Tierschützerin und der arme Hund mussten wieder 150km zurück fahren :-( Er ging zurück zur Pflegestelle, es wurde ein privater Autotransport nach Deutschland gelplant, der daran scheiterte, dass es keinen 2. Fahrer gab. Und so ging es weiter und weiter...
Ich bin vor 3 Wochen nach Madrid geflogen und habe ihn persönlich abgeholt. Timber musste vorher 500km mit dem Auto zum Flughafen fahren, dort ca. 4 Stunden warten, bis ich ihn einchecken konnte mit seiner großen Box (diesmal Iberia, als Fluggesellschaft).
Er kam endlich hier an und der arme Kerl hatte total viel Streß, für einen sensibelen Podenco sehr grausam :-(
Das ist die Vorgeschichte, die bestimmt wichtig ist für euch zu wissen, wenn ich euch jetzt um eure Einschätzung bitte:

Nach 3 Wochen bei mir bewegt er sich nicht in der Wohnung, bzw. im Wohnzimmer wo er auf seinem Hundekissen liegt. Er nimmt keinen Kontakt zu mir auf, alle super Leckerlies nimmt er nicht an von mir, ich lege sie ihm dann hin und wenn ich einige Meter weit entfernt bin, dann frisst er auch das Leckerlie. Er steht kaum auf um sich mal umzudrehen. Wenn ich aus dem Raum gehe, dann geht er zu seiner Futter- oder Wasserschüssel und frisst/trinkt, sobald ich aber wieder zu nahe bin, geht er gleich wieder zurück auf seinen Platz.
Beim Spazierengehen auf den Feldern läuft es manchmal schon besser, er vergißt seine Angst für wenige Sekunden und hüpft umher wie ein Clown, dann fällt er aber auch gleich wieder zurück in sein Angstmuster und sondiert die Gegend, ob evt. jemand kommt usw.
Es tut mir so leid für ihn, so einen jungen Hund, der viel mehr Abwechslung haben könnte, als nur jeden Tag stupide auf seinem Platz zu liegen :-(

Jetzt wüsste ich gerne von euch, ob ihr noch Ideen habt, wie ich ihm helfen kann, dass er Vertrauen zu mir aufbaut. Ich bin mir über das Wesen von einem Podenco bewußt, aber ihr habt schon die Erfahrungen und könnt mir evt. wertvolle Tipps geben. Die Waffe "Geduld" habe ich ausgepackt, muss aber wohl da selbst noch dazu lernen ;-)

Er bekommt jedenfalls alle Zeit die er braucht, ich bin wohl zu ungeduldig und habe mich von den anfänglichen Fortschritten zu sehr begeistern lassen, dass ich jetzt in einer Art Erwartungshaltung bin, dass er öfter so positiv reagiert?!

Bin sehr gespannt auf euere Antworten und Tipps!
Liebe Grüße an Euch!
Benutzeravatar
Timber
 
Beiträge: 3
Registriert: Sa 11. Feb 2012, 13:23

Re: Podenco aus Tötungsstation

Beitragvon Nubia am So 12. Feb 2012, 00:28

Hallo Timber

Zuerst einmal finde ich es toll von dir, einem Podenco das Leben gerettet und einen Platz gegeben zu haben!

Tipps zu geben ist schwierig, da viele Dinge nicht klar sind. Von dem wenigen, dass du schreibst, tippe ich mal darauf, dass dein Podi komplett überfordert und/oder traumatisiert ist. Nicht nur die lange und beschwerliche Reise, sondern sicher auch sein vorheriges Leben. Interessant wäre natürlich noch, ein paar Einzelheiten mehr zu wissen: Bist du männlich/weiblich? Wie sieht deine Familie aus, Anzahl Personen, Kinder, Männer, Frauen? Ist dein Podi der einzige Hund bei dir? Weitere Haustiere? Ist es dein erster Hund? Wie war seine Pflegefamilie in Spanien?

Das wichtigste ist jetzt, wie du selber schreibst: Geduld, und zwar etwa so: G E D U L D

Kennst du das Buch von Jan Fennell: "Mit Hunden sprechen"? Darin beschreibt sie, wie sie einen sehr ängstlichen Hund bei sich zu Hause integriert hat. Sie hat ihn einfach in Ruhe gelassen und überhaupt nicht beachtet, er sass die ganze Zeit unter dem Tisch und nahm nicht am Leben des Restes der Familie teil. Er sass einfach dort, unter dem Tisch, und beobachtete, was da in seiner neuen Familie so abging. Und niemand hat etwas von ihm erwartet, er durfte sich die Zeit nehmen, die er brauchte, bis er langsam, sehr, sehr langsam begann, die Umgebung zu erkunden und sich zu integrieren.

Wahrscheinlich erwartest du zuviel von deinem Podi, weil er noch nicht soweit ist, sein neues Leben bei dir zu leben! Gib ihm die Zeit, die er braucht, ohne Ansprüche an ihn zu stellen! Keine Erwartungen oder Vorstellungen, wie es sein soll/kann/würde mit einem Hund!

Unterstützend würde ich dir Zylkene empfehlen:
________________________________________________________
Re: Zylkene

Beitragvon Nubia am Do 10. Feb 2011, 09:14
An der Hundemesse in Winterthur gabs einen Stand, an dem Zylkene vorgestellt wurde (unter anderem von Tierärzten). Ich habe mit einem Tierarzt darüber gesprochen, es scheint wohl momentan DAS Mittel zu sein! Er meinte, man solle es 2 Wochen VOR einem bestimmten Ereignis (1. August, Umzug, Tierpension etc.) bereits verabreichen, damit die Wirkung optimal sei. Auch für Nubia (leicht aufbrausend, tiefe Toleranzgrenze, hibbelig etc.) könne es sich nur positiv auswirken! Ich werde es mal versuchen!

Eigenschaften:
Die Milchaufnahme hat bei Neugeborenen einen entspannenden Effekt. Bei Neugeborenen erfolgt die Milchverdauung vorwiegend durch das Enzym "Trypsin". Mit zunehmendem Alter ändert die Verdaung der Milchmahlzeiten auf "Pepsin". Bei der "Trypsin"-Verdauung entsteht ein spezifisches Peptid. Dieses beeinflusst nach dem Stillen wie auch bei erwachsenen Tieren das Wohlbefinden positiv. Dieses Peptid "a-Casozepin" ist in Zylkene enthalten.

Es gibt Kapseln für kleine (5kg resp. 5-10kg), mittelgrosse (10-20kg resp. 20-40kg) sowie grosse (20-40kg resp. über 40kg) Hunde (oder Katzen). Erhältlich über den Tierarzt.

_______________________________________________________

Tja, es wird vielleicht noch einige Zeit brauchen, bis dein Podi bei dir "angekommen" ist - aber auf jeden Fall lohnt es sich, diese Geduld und das grosse Verständnis aufzubringen für ihn. Ich wünsche euch von Herzen alles Liebe und Gute.

Rita
Das Leben ist gar nicht so. Es ist ganz anders. (K. Tucholksy)
Benutzeravatar
Nubia
 
Beiträge: 1028
Registriert: Do 21. Aug 2008, 10:49
Wohnort: Zürcher Weinland

Re: Podenco aus Tötungsstation

Beitragvon Timber am So 12. Feb 2012, 11:40

Liebe Rita,
zunächst vielen Dank für Deine Antwort. Gerne schreibe ich Dir noch mehr Infos die Du auch angesprochen hast.

Seine Pflegestelle in Spanien (6 Wochen):
Alleinstehender Mann, ca. Mitte 30 mit einer Hündin die im Haushalt lebt

Meine Situation:
Weiblich Anfang 40, wohne alleine, bin den ganzen Tag zuhause, da ich als Selbstständige von zuhause aus arbeite, es sind keine weiteren Tiere im Haushalt. Ich hatte die letzten 20Jahre Hunde, wobei mein letzter Hund auch ein "Problem"-Hund war, sehr ängstlich, misshandelt, musste seine ersten 3 Jahre in einem Kellerverschlag leben, bevor man ihn endlich im Tierheim abgab, dort habe ich ihn dann rausgeholt. Er war ein Border-Collie Mix.

Ich hatte es ja schon geschrieben, dass ich ihm wohl einfach die Zeit geben muss, die er nun braucht um wieder ins Leben zurück zufinden. Das ist auch kein Problem! Ansonsten lasse ich ihn auch in Ruhe, ich erwarte nichts von ihm, ausser wenn wir natürlich das Brustgeschirr und Leine anlegen müssen um spazieren gehen zu können. Aber da gehe ich auch sehr langsam und behutsam mit ihm um, damit er so wenig wie möglich von mir gestreßt wird.

Viele Grüße :-)
Benutzeravatar
Timber
 
Beiträge: 3
Registriert: Sa 11. Feb 2012, 13:23

Re: Podenco aus Tötungsstation

Beitragvon Strauchdieb am So 12. Feb 2012, 11:59

Was Du beschreibst, erinnert mich sehr an Liza in den ersten Tagen bei uns. Sie hatte ihr Bettchen, da war sie sicher, und alles andere war schrecklich. Nach und nach erkundete sie dann die Wohnung - immer ganz schnell zu ihrem Bett zurück flüchtend, wenn sie sich was Neues getraut hat.
Bei ihr hab ich mir übrigens auch abgewöhnt, überschwenglich zu loben - sie hatte vor jedem Wechsel meiner Stimmlage Angst. Ich hab immer nur sehr ruhig und monoton mit ihr geredet. Aber ich hatte das Glück, dass sie sich draußen von Anfang an extrem an mir orientiert hat, und so hat sie dann ganz schnell Vertrauen zu mir gefasst. Beim Rest der Familie hat das viel länger gedauert.

Rita hat ja schon alles geschrieben, was wichtig ist. Das wird schon - braucht halt einfach viiiiieeeeeel Zeit und Geduld...

Wie ist denn der Boden in Deiner Wohnung? Ist der gefliest? Ich frage nur, weil beide unsere spanischen Hunde total Angst vor Fliesen hatten und extrem unsicher waren in den Teilen der Wohnung, die gefliest sind (und in neuen Räumen sind sie das immer noch und trauen sich nicht rein). Falls das bei Dir so ist, könntest Du ja mit Teppichbahnen Pfade durch die Wohnung legen oder so, bis er mal alles kennt.
Benutzeravatar
Strauchdieb
 
Beiträge: 310
Registriert: Mi 17. Nov 2010, 19:04
Wohnort: Jestetten (D)

Re: Podenco aus Tötungsstation

Beitragvon Bonito am So 12. Feb 2012, 15:09

Hallo,
ich kann mich eigentlich nur anschliessen... Geduld und keine Erwartung schein mir auch der Schlüssel zu sein. Dazu nur in Minischritten Veränderungen einführen, also z.B. den Spazierweg etwas verändern, dann aber wiederholen und so ganz allmählich den Radius vergrössern. Dazu helfen ritualisierte Abläufe...
:stubs: und irgendwann bekommst du ganz unerwartrt einen zarten Nasenstubser und fühlst dich dabei wie ein König.
Gaby
"Wenn wir mit unseren Hunden zusammen sind, gibt es keine Einsamkeit. Wir sind im Geiste verbunden." Weisheit der Inuit
Benutzeravatar
Bonito
 
Beiträge: 1189
Registriert: Sa 3. Jan 2009, 17:39
Wohnort: Rekingen AG
Infos:: unser Rudel
Bonito - bei uns seit November 2008 - Podenco canario (Mix)
Sui - bei uns seit Juni 2011 - Podenco ibicenco

Re: Podenco aus Tötungsstation

Beitragvon Judith am Mo 13. Feb 2012, 00:58

hallo Timber

nuja genau..Rita's Gedanken kann ich nur bestätigen! Unser Schöggeli kam zu einem knuutschgewöhnten und knuutscherliebenden Labi-Joy hinzu..! erstmal in der Wohnung angekommen, wollte auch sie nur zögerlich wieder raus..drinne biseln..drinne gageln..und bitte schön in Ruhe lassen..! ich hab anfangs gelitten..wollte ihr doch zeigen, dass ich sie genauso gern hab wie Joy..kam ich in ihre Nähe, hat sie sich weg gedreht..! auch ich hab hier drinne während meiner leicht verzweifelten Anfangszeit immer wieder das Wort *Geduld* gelesen..*das wird schon*..und..es wurde.. :smileb:
so möcht ich Euch Mut machen..Podenco-Nasen brauchen Zeit..! Wir waren mit Schöggeli anfangs noch bei einem Hundeschamanen..ich glaub, dass uns die ruhige positiv-energetische Stimmung allen gut getan hat..und Schöggeli hatte da noch eine schwere Erkrankung zu meistern..!
Wir haben Zylkene bei Schöggeli getestet..sie hatte Panik vor den Strassenbahnen in Deutschland. Weil wir aber doch 2-3mal pro Jahr nach Dresden oder Leipzig fahren, haben wir vor dem letzten Stadt-Aufenthalt mit Zylkene begonnen..mit ganz toller Wirkung! Das Mädle ist schlussendlich selbständig in die Strassenbahn eingestiegen und blieb da drinne recht entspannt! Also durchaus einen Versuch wert..
und nu für Euch nur das Allerbeste..

liebe Grüsse..d'Judith Thilo Joy Schöggeli und NIna
Benutzeravatar
Judith
 
Beiträge: 3371
Registriert: Sa 11. Jul 2009, 11:31
Wohnort: Benken SG

Re: Podenco aus Tötungsstation

Beitragvon chili3 am Mo 13. Feb 2012, 19:56

Kann ich alles bestätigen, was meine Vorschreiberinnen schon geschrieben haben. Ev. könnten Bachblüten auch helfen. Mit Zylkene machte ich gute Erfahrungen. Manchmal hilft auch der DAP Spray, Pheromone der Mutterhündin, beim Tierarzt erhältlich. http://www.vetpharm.uzh.ch/reloader.htm ... halt_c.htm
LIEBE GRÜSSE CORINNE
Bild

"Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast." - Der kleine Prinz, Kapitel XXI von Antoine Marie Roger Vicomte de Saint-Exupéry
Benutzeravatar
chili3
 
Beiträge: 1836
Registriert: Mi 30. Jul 2008, 21:16
Wohnort: Inkwil (BE)

Re: Podenco aus Tötungsstation

Beitragvon Timber am Di 14. Feb 2012, 11:34

Ich danke euch allen für die lieben Zusprüche und eueren Tipps. Geduld wird also nun noch größer geschrieben bei mir und ich warte einfach ab, bis sich der Podi von selbst beginnt zu öffnen. Über Zylkene werde ich mich mal informieren, wär bestimmt nicht schlecht, falls ich doch mal mit ihm Autofahren muss! Man muss es aber schon vorzeitig verabreichen, wenn ich das richtig in Erinnerung habe..., ich werde mich jetzt mal informieren!
Achja... und auf den "plötzlichen Nasenstubser" freue ich mich schon sehr :stubs:

Noch kurz zu den Böden bei mir im Haus: Mir ist selbst schon aufgefallen, dass Timber vom Wohnzimmerteppich (dort ist sein Liegekissen ist) aus sehr unsicher auf den blanken Holzfußboden geht um dann nach ca. 3m in den Flur zu kommen, wo wieder ein Teppich liegt. Ich habe ihm also eine Teppichbrücke hin gelegt für das Stück Holzfußboden, da war er aber noch mehr verunsichert, weil jetzt da plötzlich was lag und ging mir überhaupt nicht mehr weiter, also hab ich die Teppichbrücke wieder entfernt :-)



Liebe Grüße aus dem verschneiten Bayern,
Angelika
Benutzeravatar
Timber
 
Beiträge: 3
Registriert: Sa 11. Feb 2012, 13:23

Re: Podenco aus Tötungsstation

Beitragvon Nubia am Fr 17. Feb 2012, 11:04

Hallo Angelika

Danke für die weiteren Infos. Ich kann mir vorstellen, dass eure Situation nicht einfach ist. Du willst ja nur das Beste für deinen Timber, aber er ist noch nicht bereit, dies überhaupt zu merken. Es gibt wirklich nicht viel zu ergänzen zum bereits Geschriebenen.

Ich habe mir noch Gedanken zu seinem Vorleben gemacht: wahrscheinlich hatte er immer andere Hunde um sich herum, sei das beim Züchter, im Tierheim oder auch auf seiner Pflegestelle. Vielleicht ist er absolut nicht gewohnt, dass er "alleine" ist (als Hund, meine ich). Unsichere Hunde orientieren sich gerne an sicheren Hunden, das habe ich gesehen, als ich meinen 2. Podi aus dem Tierheim zu mir geholt habe. Er kannte wirklich gar nichts! War es aber für Nubia (meine 1. Podenca) ok, dann befand er es auch als ok, was immer er gerade sah! Dies geht jetzt bei deinem Timber nicht, er muss selber mit allem Neuem klar kommen. Und deshalb braucht er Zeit.

Zylkene oder DAP würde ich auf jeden Fall geben, nicht nur fürs Autofahren. Es ist sicher ein Versuch Wert, denn es steigert das allgemeine Wohlbefinden.

Weiterhin viel, viel Geduld und alles Liebe - es wird schon gut kommen :-)

Rita
Das Leben ist gar nicht so. Es ist ganz anders. (K. Tucholksy)
Benutzeravatar
Nubia
 
Beiträge: 1028
Registriert: Do 21. Aug 2008, 10:49
Wohnort: Zürcher Weinland


Zurück zu Podenco Erziehung

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron